Für den 1. bis 6. September 2026 ruft das Bündnis „Rheinmetall Entwaffnen“ erneut zu einem Camp und Protesten gegen Militarisierung und Krieg in Köln auf. Wir werden uns daran beteiligen und unsere Positionen in die Diskussionen und Aktionen tragen. So wollen wir einen Beitrag zum Aufbau der antimilitaristischen und revolutionären Bewegung in der BRD leisten. Fahren wir zusammen nach Köln, kommen wir miteinander in die Diskussion und widersetzen wir uns den Kriegen der Herrschenden!
Das Problem: Der Kapitalismus
Ob Ukraine, Iran, Palästina, Kurdistan, Sudan oder DR Kongo – seit Jahren nimmt die Zahl bewaffneter Konflikte und mit ihnen das Leid der betroffenen Bevölkerungen weltweit zu. Außerdem spitzen sich etliche zwischenstaatliche Konflikte so zu, dass eine offene Konfrontation näher rückt – im Pazifik, in Kuba, in Südasien. Das ist kein Zufall: Der globale Kapitalismus, die weltweite Konkurrenz der Nationalstaaten, befindet sich im Umbruch. Die nach dem Niedergang des Staatssozialismus gefestigte, globale Vormachtstellung der USA bröckelt. Sie wird herausgefordert durch den Aufstieg Chinas sowie den Versuch Russlands, seinen Weltmachtstatus wiederherzustellen. Um ihre Vormacht zu sichern, setzen die USA zunehmend auf offene Konfrontation – etwa beim Überfall auf Venezuela, dem Krieg gegen den Iran und der Bedrohung Kubas. Die europäischen Staaten – organisiert in EU und NATO – stehen dabei meist noch an der Seite der USA, von deren Weltordnung sie lange profitiert haben. Aber immer deutlicher werden ihre Bemühungen um eine eigenständige Weltmachtrolle, wobei die BRD die führende Position in Europa anstrebt. Diese Verschiebungen nutzen auch regionale Mächte, um ihren Einfluss auszubauen: Die Türkei versucht sich dem fortschrittlichen Gesellschaftsprojekt Rojava in Nordostsyrien zu entledigen, Israel sich der palästinensischen Bevölkerung und seiner regionalen Widersacher und auf dem afrikanischen Kontinent ringen verschiedene Kräfte um den Zugang zu begehrten Ressourcen.
Vor diesem Hintergrund rüsten die BRD, die anderen europäischen Staaten und viele weitere Staaten auf der ganzen Welt, zurzeit massiv auf. Sie bereiten sich darauf vor, in den aktuellen und kommenden Kriegen ihre Stellung in der Staatenkonkurrenz zu verteidigen und auszubauen. Die Kosten dafür tragen wir Lohnabhängigen. Auch die Kürzungen bei Gesundheitsversorgung, Bildung, Rente, Arbeitslosengeld und vielem mehr sollen den deutschen Staat international konkurrenzfähiger machen. Doch Waffen müssen auch bedient werden: Mit viel Werbung und Geld werden junge Lohnabhängige in die Bundeswehr gelockt. Für alle, die nicht freiwillig gehen, steht die neue Wehrpflicht unmittelbar bevor. Begleitet wird die Aufrüstung von ideologischer Einstimmung durch Politik und bürgerliche Medien: Wir sollen uns als Teil einer Nation begreifen, die um „ihren“ Platz in der Welt ringt, uns hinter „unserem“ Staat versammeln und für den nationalen Erfolg den Gürtel enger schnallen. Es sind diese Erzählungen, die den Aufstieg der extremen Rechten begünstigen und die binäre und sexistische Geschlechternormen festigen.
In Wahrheit haben wir Lohnabhängigen in diesen Kriegen nichts zu gewinnen. Es sind nicht unsere Interessen, die da verteidigt werden, sondern die des Staates und des nationalen Kapitals. Im Gegenteil haben wir alles zu verlieren: Unsere Leben, unsere Lieben, unsere Heimat. Und Teil der Wahrheit ist auch: Mit diesem Umbruch wächst zwar die Zahl der Kriege, doch grundsätzlich kommt der Kapitalismus nie ohne Krieg aus. Solange Nationalstaaten um ihren Platz in der globalen Konkurrenz ringen, werden sie sich immer wieder auch offen bekämpfen.
Die Perspektive: Der freiheitliche Kommunismus
Viele der üblichen Vorschläge für Frieden laufen daher ins Leere: Diplomatie ist nicht das Gegenteil von Krieg, sondern nur eine andere Variante, wie Staaten ihre Interessen durchsetzen. Kriegstreiber:innen in politischen Ämtern sind nicht unvernünftig, sie handeln rational im Sinne ihres Staates. Auch das Projekt einer unabhängigen europäischen Weltmacht ist kein friedliches Gegengewicht zu den USA, sondern der Versuch, eigene Interessen mit eigener Gewalt durchzusetzen – und eine multipolare Weltordnung „zähmt“ nicht die USA, sondern entfesselt neue Kriege. Ein Frieden, der nur die Abwesenheit von Krieg bedeutet und bei dem Staatenkonkurrenz samt Armut, Ausbeutung und Umweltzerstörung bestehen bleibt, ist nicht die Lösung.
Ein Zusammenleben aller Menschen weltweit ohne all das ist möglich – eine Gesellschaft, in der alle gut und ohne Angst vor Gewalt leben können. Doch ihre Voraussetzung ist, dass wir den Kapitalismus, das System der Staatenkonkurrenz, überwinden. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam darüber bestimmen wie Produktion, Reproduktion und unser Zusammenleben aussehen. Weltweit. Ohne Staaten, ohne Kapitalist:innen. Das nennen wir freiheitlicher Kommunismus.
Der Ausweg: Gegenmacht aufbauen für die soziale Revolution
Um Aufrüstung und Krieg zu stoppen, um den Kapitalismus zu überwinden, braucht es eine internationale soziale Revolution, welche die Herrschaft von Staat und Kapital weltweit bricht. Eine solche Revolution fällt aber nicht vom Himmel – wir müssen ihr den Weg bereiten, indem wir im Hier und Jetzt unsere Macht von unten aufbauen. Zentrale Ausgangspunkte dafür sind die Orte des Alltags, an denen wir die Militarisierung unmittelbar spüren: Im Stadtteil, wo Verarmung zunimmt und für die Bundeswehr geworben wird; an Schulen und Unis, wo den bald Wehrpflichtigen erzählt wird, der Staat vertrete ihre Interessen; im Betrieb, wo Personal gekürzt oder auf Rüstung umgestellt wird. Hier müssen wir Kämpfe und Organisierung vorantreiben – etwa in Stadtteilorganisationen, Schüler:innen- und Studierendenkomitees sowie Gewerkschaften – und tun dies bereits in Ansätzen in verschiedenen Städten.
Unterstützen müssen wir auch solche Bewegungen, in denen sich Lohnabhängige gegen einzelne Kriege zusammenfinden, sei es in Solidarität mit der palästinensischen, kurdischen oder anderen Bevölkerungen. Sie können dabei helfen, internationale Solidarität zu üben und den mörderischen Charakter dieses Systems öffentlich zu entlarven.
Zudem braucht es eine spezifisch antimilitaristische Bewegung – als Raum für Analyse- und Strategie-Diskussionen und als Werkzeug, um Antikriegspositionen sichtbarer zu machen. Wir verstehen „Rheinmetall Entwaffnen“ als wichtigen Treffpunkt einer solchen Bewegung und nehmen deshalb an Camp und Protesten teil.
In all diesen Kämpfen ist es notwendig, kontinuierlich über die systemischen Ursachen von Militarisierung und Krieg aufzuklären. Nur wenn dieses Bewusstsein in der lohnabhängigen Klasse verankert wird, lässt sich der Kriegstreiberei von oben etwas entgegensetzen.
Zuletzt ist gerade auch in der antimilitaristischen Frage die internationale Verknüpfung all unserer Bemühungen essentiell. Wir müssen Kontakte zu Basisorganisierungen und Bewegungen in anderen Ländern aufbauen und voneinander lernen. Der Hauptfeind steht im eigenen Land, unsere Verbündeten in jedem Land der Welt.
IN STADTTEIL, BILDUNG UND BETRIEB: GEGENMACHT VON UNTEN AUFBAUEN!
Kommt mit uns in Kontakt, ins Gespräch und auf die Straße!
- 1. bis 6. September: Pavillon auf dem Camp, Teil der „Sozialen Kampfbaustelle“
- 3. September: Offenes Kennenlernen & Bannermalen ab 20 Uhr beim Pavillon
- 5. September: Beteiligung an der Abschlussdemonstration