Gegen ihre Kriege, gegen ihren Frieden: Bericht und Auswertung vom Rheinmetall Entwaffnen-Camp 2026

Anfang September hat in Köln das Protestcamp des antimilitaristischen Bündnisses Rheinmetall Entwaffnen (RME) stattgefunden. Ohne selbst Teil des Bündnisses zu sein, haben auch wir uns in diesem Jahr am Protestcamp beteiligt. Mit diesem Text wollen wir vom Camp und unserer Teilnahme daran berichten und uns an einer knappen Auswertung versuchen.

Das Camp
Wie 2025 schlug das Bündnis auch in diesem Jahr seine Zelte auf dem Kölner Grüngürtel auf. Nach mehreren Tagen Aufbau mit zahlreichen helfenden Händen konnte das Camp am Dienstag der Protestwoche offiziell eröffnet werden. Neben dem großen Zirkuszelt füllten unter anderem Küchenzelte, Veranstaltungszelte, Kinderzelt, Sanitätszelt, Pressezelt, der Schlafbereich und die Infostände zahlreicher Organisationen die Parkfläche. Der Grad der Selbstorganisation unter den über 1000 Teilnehmer:innen des Camps mit täglichen Plena und einem Schichtsystem für alle möglichen Aufgaben war beeindruckend hoch. Hervorzuheben ist auch die Breite des Spektrums der Camp-Teilnehmer:innen. Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen aus allen Teilen Deutschlands und vieler angrenzender Länder waren vertreten, Genoss:innen aus allen Altersklassen – wobei jedoch die Jugend klar das Bild prägte – und verschiedene politische Strömungen der antimilitaristischen und revolutionären Bewegung in der BRD – wobei es rein zahlenmäßig einen klaren Überhang leninistischer Organisationen gab. Das Camp konnte so weitgehend dem eigenen Anspruch, spektrumsübergreifender Treffpunkt einer antimilitaristischen Bewegung zu sein, gerecht werden.
Die Kehrseite dessen war vermutlich vorhersehbar und trat auch so ein: Obwohl das Camp mit dem Grüngürtel einen zentralen und belebten Ort in Köln gewählt hatte und obwohl es Ansätze gab, einen Bezug zur Nacbarschaft herzustellen, weckte es zwar regelmäßig das Interesse vorbeiziehender Passant:innen, schaffte es unserer Einschätzung nach aber praktisch gar nicht, einen wirklichen Kontakt mit diesen herzustellen. Um das zu bewerkstelligen, wird es auch in Zukunft andere Formate brauchen.
Das inhaltliche Programm
Zentraler Bestandteil des Protestcamps war auch in diesem Jahr ein umfassendes Programm inhaltlicher Veranstaltungen. Jeden Tag gab es Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops, meist fünf davon gleichzeitig in den verschiedenen Veranstaltungszelten. Dabei deckte ein breites Spektrum an referierenden Organisationen und Einzelpersonen ein ebenso breites Spektrum an Themen rund um die übergreifende Frage des Widerstands gegen Militarisierung und Krieg ab: So ging es neben vielen anderen Themen beispielsweise um den Zusammenhang zwischen Krieg und Geschlechterunterdrückung, Jugendorganisierung, um die Militarisierung im Gesundheitswesen oder um die Lage in Westasien. Nicht immer aber immer wieder wurden dabei Analysen vorgestellt, die sich erfreulicherweise mit unseren Einschätzungen der aktuellen politischen Lage decken oder denen wir spannende Aspekte abgewinnen konnten. Daneben war besonders erfreulich, dass eine ganze Reihe an Veranstaltungen Platz im Programm gefunden hatten, die sich mit der Frage von Basisorganisierung in Stadtteil, Bildung und Betrieb befassten. Unter anderem gab es einen Vortrag der Kölner Stadtteilgewerkschaft Kalk Solidarisch, Diskussionen zu den aktuellen Perspektiven der Schulstreik-Bewegung und eine Veranstaltung antimilitaristischer Gewerkschafter:innen. Gleichzeitig müssen wir festhalten, dass die Frage der Basisorganisierung angesichts der dringenden Notwendigkeit, den Kampf gegen Militarisierung und Krieg auf breite Teile unserer Klasse auszudehnen, auf dem Camp eindeutig nicht genug Platz eingenommen hat. Positiv haben wir in weiten Teilen dagegen die Diskussionskultur wahrgenommen. Bei allen Veranstaltungen, an denen wir teilgenommen haben, fanden danach angeregte und auch oft kontroverse Diskussionen statt, bei denen meist in angemessener Schärfe aber eben auf Augenhöhe miteinander gestritten wurde. Das Camp konnte so tatsächlich, wie angestrebt, ein Austauschraum für die antimilitaristische Bewegung sein.
Die Aktionen
Neben den inhaltlichen Veranstaltungen waren auch Aktionen auf der Straße Teil der Protestwoche. So fand am ersten Tag des Camps, dem 1. September, eine Demonstration zum Antikriegstag durch Köln-Ehrenfeld statt. Im Laufe der Woche gab es unter anderem eine Blockade an einer Bundeswehr-Kaserne, Aktionstheater und nächtliche Spontandemonstrationen und Farbangriffe gegen Akteur:innen der Militarisierung. Am Samstag fand dann die große Abschlussdemonstration statt. Diese konnte zunächst einen guten Teil ihrer geplanten Strecke hinter sich bringen, wurde dann aber von der Polizei aufgehalten, angegriffen und ein Teil von ihr schließlich über mehrere Stunden gekesselt bevor die Polizei den Kessel beendete und die Route mit einer Spontandemonstration zu Ende gelaufen werden konnte. 
Über den Verlauf der Protestwoche gab es so also eine Vielzahl widerständiger Aktionen, die trotz des massiven Polizeiaufgebots in der Stadt durchgeführt werden konnten. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass diese Aktionen nach außen, an die breiten Teile unserer Klasse, nur wenig anschlussfähig waren und darauf teilweise auch gar nicht ausgelegt waren. Zwar fanden auch Aktionen statt, bei denen beispielsweise das Gespräch mit Schüler:innen, Studierenden, Nachbar:innen oder Arbeiter:innen gesucht wurde. In dieser punktuellen Form können diese – denken wir – jedoch nicht die Wirkung entfalten, die notwendig wäre, um tatsächlich breitere Teile der Klasse für den Kampf gegen Militarisierung und Krieg zu gewinnen. Dafür braucht es Formen kontinuierlicher Basisorganisierung in den Bereichen des proletarischen Alltags – vor allem Stadtteil, Bildung und Betrieb.
Unsere Beteiligung
Obwohl wir in den vergangenen Jahren immer mal wieder an einzelnen Protestcamps teilgenommen haben, stellte unsere Beteiligung am diesjährigen RME-Camp für die Plattform einen neuen Schritt dar. Erstmals riefen wir als Föderation zusammen mit uns nahe stehenden Organisationen und Initiativen der plattformistischen Strömung öffentlich zum Protestcamp auf und koordinierten dementsprechend unsere Teilnahme über verschiedene Städte hinweg. Auf dem Camp waren wir mit einem eigenen Stand die ganze Woche über gut sichtbar vertreten und an unserem Info- und Büchertisch ansprechbar. Diese Gelegenheit wurde von Teilnehmer:innen des Camps eifrig genutzt und so ergaben sich viele gute Gespräche an unserem Stand. Auf besonders großes Interesse stieß unser Vorläufiges Programm, das erstmals gedruckt vorlag. Der Stand diente uns dabei auch als Ort, an dem wir als Genoss:innen aus verschiedenen Städten zusammenkommen, uns besser kennenlernen und uns ausruhen konnten. Jeden Abend wurde hier zudem gemeinsam der zurückliegende Tag reflektiert, was sich für uns als sehr wertvoll herausstellte.
Angebunden war unser Stand an die „Soziale Kampfbaustelle“, ein Zelt, das von verschiedenen antiautoritären, feministischen und antikolonialen Gruppen aus Köln zusammen organisiert und bespielt wurde. Hier fanden unter anderem eigene inhaltliche Veranstaltungen statt. Daneben gab es Raum, untereinander in den Kontakt und Austausch zu kommen.
Neben der Sichtbarmachung eigener Positionen durch unseren Stand lag der Fokus unserer Beteiligung am Camp auf der Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen des inhaltlichen Programms. In den anschließenden Diskussionen bemühten wir uns darum, mit anderen Anwesenden ins Gespräch zu kommen und darin unsere Positionen zu den vorliegenden Fragen zu vertreten. Das wollen wir bei kommenden Gelegenheiten gerne noch ausbauen, da wir in seiner Rolle als Raum für inhaltlichen Austausch einen zentralen Wert des RME-Camps sehen.
Zudem nahmen wir gemeinsam und sichtbar an den zwei Demonstrationen der Protestwoche teil. Hier verteilten wir auch Flyer mit einer gekürzten Fassung unseres Aufrufs. Auf der Abschlussdemonstration bildeten wir den hinteren Bereich des feministischen Blocks, dem sich gut 150 Menschen anschlossen. Sowohl hinsichtlich der Art und Weise, wie wir an diesem Tag agiert haben als auch hinsichtlich der Frage, inwieweit wir selbst an den Aktionen, die sonst innerhalb der Protestwoche passieren, mitwirken können und wollen, sehen wir als Organisation einiges an Diskussionsbedarf.
Fazit
Wir blicken insgesamt auf eine bewegte und lehrreiche Protestwoche zurück. Wir nehmen viele inhaltliche Anstöße aus den Veranstaltungen und Gesprächen auf dem Camp mit, kämpferische Momente auf der Straße und berührende kulturelle Momente wie das Konzert am Mittwochabend, bei dem wir Hand in Hand mit mehreren hundert Menschen unter dem Zeltdach zusammen Halay getanzt haben. Es war sichtbar, dass sich hier eine wachsende antimilitaristische Bewegung formiert, die Militarisierung und Krieg nicht mit Resignation oder Burgfrieden, sondern mit entschlossenem Widerstand begegnen will und es in Ansätzen bereits tut. Das macht uns angesichts der heranziehenden Stürme Hoffnung.
Wir sind als Organisation neue Schritte gegangen, die unsere gewachsenen Kräfte aber auch weiter vorhandene Schwächen und Leerstellen deutlich gemacht haben. An diesen gilt es zu arbeiten und sie zu füllen.
Inspiration nehmen wir schließlich vor allem für unsere eigene Praxis in der konkreten Basisorganisierung in unseren verschiedenen Städten mit. Hier – in den Stadtteilen, Schulen, Unis und Betrieben – wollen wir in den kommenden Monaten mit noch mehr Energie daran arbeiten, den Kampf gegen Militarisierung und Krieg in unserer Klasse zu verankern. Immer mit der Perspektive, dass gegen die Kriege der Herrschenden zu kämpfen heißt, auch gegen ihren Frieden zu kämpfen. Und dass nur die soziale Revolution und der freiheitliche Kommunismus tatsächlich einen Ausweg darstellen.
Kein Kapitalismus ohne Krieg!
Kein Frieden ohne Revolution!
In Stadtteil, Bildung und Betrieb: Gegenmacht von unten aufbauen!