Bericht von unserer Vortragstour: Die Plattform zu Gast in Österreich!

Vortragsreisen haben für uns als Plattform eine gewisse Tradition. Im Jahr 2019 begann unsere Initiative mit einer ausgedehnten Tour, die uns in die meisten Teile Deutschlands und sogar bis in die Schweiz führte. Nach Österreich schafften wir es damals nicht, weil uns im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung machte. 

Nachdem wir im vergangenen Jahr wenigstens schon einmal unseren Anarchafeminismus-Vortrag auf Einladung des Klubs slowenischer Studentinnen und Studenten in Wien halten konnten, waren kürzlich zwei Genoss:innen unserer Organisation eine ganze Woche lang in der Alpenrepublik unterwegs. In vier Städten – Graz, Wien, Salzburg und Insbruck stellten sie den Plattformismus und unsere Organisation vor. Weil über die anarchistische Bewegung in Österreich innerhalb Deutschlands wenig bekannt ist und weil neben Vortragsreisen auch die Berichte dazu eine gewisse Tradition unserer Organisation sind, folgt hier jetzt ihr kleiner Reisebericht:

Am 28. Juni brachen wir von Deutschland auf in Richtung Graz, dem ersten Vortragsort. Dank Verspätung erreichten wir unseren Zwischenstopp Salzburg erst nach knapp zwölf Stunden Zugfahrt. Gleich am nächsten Tag ging es noch einige Stunden weiter an malerischen Landschaften vorbei bis wir endlich Graz erreichten. Dort wurden wir bereits von freundlichen Genoss:innen empfangen. Der Vortrag fand in einem anarchistischen Cafe, der “Schwarzen Raupe”, vor etwa 20 Zuhörenden statt. Aufgrund vieler spannender Zwischenfragen dauerte der Vortrag deutlich länger als gedacht. Auch danach gab es viel Redebedarf. Es gab viele gute Fragen zu unserem Ansatz, viel Zustimmung zu unseren Erfahrungen, aber genauso auch Gegenmeinungen. So entspannte sich eine lange und intensive Diskussion. Der Abend endete für uns erfolgreich mit einem nächtlichen Spaziergang durch Graz.

Am nächsten Tag haben wir uns früh auf den Weg nach Wien gemacht. Auf der Hinfahrt hatten wir wieder eine total schöne Aussicht und etwas Urlaubsfeeling kam in uns hoch.  Angekommen in Wien entdeckten wir erstmal noch ein bisschen die Umgebung. Gegen Abend machten wir uns dann auf den Weg in den “Klub slowenischer Studentinnen und Studenten”, um den nächsten Vortrag zu halten. Gekommen waren wieder etwa 20 Menschen. Bei der Diskussion im Anschluss wurden wieder viele Fragen, vor allem zu unserer Organisationsweise und unseren bisherigen Erfahrungen gestellt. Besonders gefreut hat uns, dass auch Genoss:innen anderer Gruppen anwesend waren, mit denen wir uns zumindest ein wenig austauschen konnten.

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege. Eine von uns machte sich auf den langen Weg zurück nach Deutschland, der andere blieb noch einen Tag in Wien und machte sich dann auf zum nächsten Ziel unserer Reise: Salzburg. In der Stadt, die für Mozart und süße Schokokugeln des gleichen Namens bekannt ist, fand unser Vortrag im “Sub”, einer anarchistischen Punk-Kneipe, statt. Etwa 20 bis 25 Menschen fanden sich ein, um den Vortrag zu hören.

Danach gab es einige Fragen, vor allem zu unserem Verständnis von Verbindlichkeit und Awareness-Strukturen in der Plattform. Eine intensive Diskussion entstand, die auch uns nochmal einen Anstoß gab z.B. über Begrifflichkeiten und Definitionen im Kontext von Übergriffen und ähnlichem intern zu sprechen.

Das letzte Ziel unserer Reise war Innsbruck. Für ihre Größe von gerade einmal 120.000 Einwohner:innen verfügt die Stadt über eine beeindruckende linksradikale Infrastruktur. Neben dem selbstverwalteten “Cafe Lotta” gibt es das “Il Corvo” als kollektiv betriebenes Restaurant und Kneipe in der Stadt. In letzterem fand unser Vortrag statt. Gekommen waren wieder etwa 20 Leute. In der Diskussion gab es einiges an Interesse, vor allem zur internen Strukturierung und Zweck der Föderation. Gerade der vernetzende Faktor wurde positiv kommentiert, während es auch Stimmen gab, die den Aufbau einer Organisation selbst teils skeptisch sahen.

Alles in allem sind wir mit unserer Vortragsreise sehr zufrieden gewesen. Wir konnten trotz der überschaubaren anarchistischen Bewegung in Österreich mehr als 80 Leute erreichen und in Städten im ganzen Land auf unseren Ansatz aufmerksam machen und ihn zur Diskussion stellen. Jetzt wird es darum gehen, auch konkret plattformistische Strukturen in Österreich aufzubauen. Wenn ihr aus Österreich kommt und daran mit uns arbeiten wollt, dann meldet euch gerne bei uns per Mail an kontakt@dieplattform.org.

Zuletzt möchten wir uns bei allen bedanken, die zu den Vorträgen gekommen sind und mit uns in die Diskussion gegangen sind. Natürlich auch bei all unseren herzensguten Gastgeber:innen und ganz besonders bei den Genoss:innen, die unsere Reise organisiert haben. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen!